„Das Stereotyp brechen”

Posted on Sep 7, 2015 in Backstories, Portraits, Slider | 0 comments

Schon gewusst? Mit dem Ballbesuch setzen wir alle auch gemeinsam ein tatkräftiges Zeichen der Solidarität: Denn der Reinerlös des Multikulti-Balls geht in das Stipendien-Programm des AAI Graz, das pro Jahr 20-25 Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika, die zum Studieren nach Graz gekommen sind, unterstützt.

v.l.n.r.: Marcela Vargas, Muntazir Abbas, Yasaman Hasani und Kalkidan Obse

Das Afro-Asiatische Institut Graz beherbergt zudem ein Studierendenheim im sogenannten QUARTIER LEECH. An einem sonnigen frühsommerlichen Tag trafen wir hier einige der HeimbewohnerInnen, wobei zwei von ihnen AAI-StipendiatInnen sind.

Die Eckdaten:

Marcela Vargas Kolumbien Vorstudienlehrgang, ab Herbst Maschinenbau
Yasaman Hasani
(AAI-Stipendiatin)
 Iran Masterstudium Media Design
Muntazir Abbas
(AAI-Stipendiat)
 Pakistan  Masterstudium Elektrotechnik
Kalkidan Obse Äthiopien Doktoratsstudium Internationale Politik

 

Die Kolumbianerin Marcela ist gerade fleißig dabei, sich auf die Sprachprüfung vorzubereiten und erzählt von ihren ersten Eindrücken von Graz. „Ich fühle mich als Ausländerin hier willkommen“, lächelt sie etwas verlegen, „Ich habe das Gefühl, die Tür ist offen.

Vier ambitionierte Menschen aus vier ganz verschiedenen Ländern aus drei verschiedenen Kontinenten. Welchen gemeinsamen Nenner gibt es? Also sie studieren in Graz (Uni Graz, TU Graz und FH Joanneum), Kalkidan forscht als Doktorand an der Uni Graz, die anderen streben langfristig ebenfalls das Doktorratsstudium an. Auch wenn sie gänzlich verschiedener Herkunft und unterschiedliche Charaktere sind, merkt man jedem einzelnen eine Unbeschwertheit und energiegeladene, anspornende Art an. Sie möchten alle gern nach dem Studium nach Hause gehen, um das erworbene Wissen in ihrem Heimatland anzuwenden. Dabei ist es ihnen ein Anliegen, die Beziehung zu Österreich bzw. zu Europa weiter zu pflegen.
Swie das Schicksal wollte, ist Yasaman im Alpenland gelandet. Nach und nach hat sie das Land liebgewonnen. „Ich fühle mich als Frau in Österreich viel, viel freier“, betont die Iranerin mit einer aufrichtigen Ernsthaftigkeit, und Marcela pflichtet ihr bei. Beide jungen Frauen sehen hier auch mehr Möglichkeiten, sich zu entfalten.

Welche Erfahrungen haben die zwei Herren gemacht? Muntazir Abbas lebt erst seit 11/2 Jahren in Graz. Bevor er auf Empfehlung von seinem Professor nach Österreich kam, hatte er als IT-Manager in Pakistan gearbeitet. Er schwärmt von seinem Studium, wo er sein Wissen vertiefen kann. Kalkidan hat hingegen in Äthipopien als Dozent gelehrt und pendelt nun zwischen Afrika und Europa. An der Uni Graz arbeitet der Politikwissenschaftler mit KollegInnen aus allen Ecken der Welt, die Forschungs- und Unterrichtssprache ist durchgehend Englisch („Ja, ich weiß, das ist keine Ausrede für meine schlechten Deutschkenntnisse.“). Er beobachtet und forscht außerdem Beziehungen zwischen Afrika, Europa und Asien. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Förderung der Demokratisierungsprozesse und Themenbereiche rund um die Afrikanische Union, die in Äthiopien den Hauptsitz hat.

 

Das Bild der hungernden Kinder ist noch immer tief in den Köpfen der Menschen“, schüttelt Kalkidan den Kopf, „und ich muss manchmal den Leuten erklären, dass wir tatsächlich etwas zu essen haben und dass unser Essen schmeckt.“ Zudem wird er häufig mit Vorurteilen konfrontiert, „Wenn ich z.B. erzähle, dass ich nicht hier bleiben werde, glaubt mir keiner“, seufzt er, denn viele Menschen gehen seiner Meinung nach davon aus, dass ein Afrikaner unbedingt hier bleiben und von den Sozialleistungen profitieren möchte. „Ich möchte aber dieses Stereotyp unbedingt brechen“, lacht er auf, „ich gehe definitiv nach Hause!

 

  

Das Heimatland von Abbas steht vor vielen Herausforderungen (und wir  haben auch kurz über die Vergangenheit mit Afghanistan und Indien gesprochen). Der optimistische Elektrotechniker sieht nun viel dynamischen Wandel in seinem eigenen Land, v.a. auch wirtschaftlich. „Die Infrastruktur und das Bildungssystem haben sich enorm verbessert“ – seiner Meinung nach die zwei wichtigsten Punkte, wenn ein Land sich aus der Krise kämpfen möchte. „Ich sehe viel Potential in meinem Land“, unterstreicht er mit leuchtenden Augen. Er möchte den eigenen Horizont erweitern und später bei der Weiterentwicklung der pakistanischen Gesellschaft mit anpacken.

Von der positiven Energie und den interessanten Gesprächen motiviert, verließ ich beschwingt das Afro-Asiatische Institut. Ja, nicht nur sie erweitern ihren Horizont durch ihr Studium in Graz, sondern es ist auch für uns alle eine schöne Chance, durch die Menschen, die hierher kommen, den eigenen Horizont zu erweitern.

 

Was erwartet ihr vom Multikulti-Ball 2015 und wie “multikulti” ist euer Alltag?

Yasaman Hasani: Der Multikulti-Ball bedeutet für mich ”Farbstiftbox”. Alle Farben schauen alleine auch schön aus, aber zusammen sind sie schöner – wie ein Gemälde. Ohne in verschiedene Länder reisen zu müssen, kann man durch den Multikulti-Ball viele Kulturen erleben und kennenlernen. Also ich möchte auch an diesem Abend verschiedene Leute kennenlernen, internationale Musik anhören und sicher viel tanzen und einfach genießen!
Muntazir Abbas: “Multikulti-Ball is just not an event. It has become tradition so far where people belonging to diversities come and share their happiness, culture, their experiences in Austria and at last but not least they share their solidarity to the whole world. I encourage such events like this to promote sense of harmony among cultures.”
Marcela Vargas: Die Multikulturalität ist schön, weil viele Kulturen an einem Ort zusammenkommen. Auch in meiner Umgebungen kenne ich Leute aus verschiedenen Kulturen, auch wenn ich manchmal nicht viel über die einzelnen Kulturkreisen weiß. Ich freue mich sehr auf den Multikulti-Ball! Für mich ist es ein Event, wo man sich mit vielen Leuten aus anderen Ländern treffen und so verschiedene Kulturen kennenlernen kann.
Kalkidan Obse: My daily life is indeed multicultural because of my residence at AAI Graz and my friendship network which involves interaction, on a daily basis, with Austrian and international students from diverse backgrounds. Furthermore, my study of international law involves issues of multiculturalism. At Multikulti-Ball I would like to interact with people from diverse backgrounds and enjoy a variety of music, foods and drinks.

Hier lernt ihr weitere (ehemalige) AAI-Stipendiaten und -Stipendiatinnen kennen: “Alle Wege führen nach Graz”!

Interview: The Schubidu Quartet / Chia-Tyan Yang
Fotos: The Schubidu Quartet / Magdalena Kahr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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