An diesem Abend sind alle eins

Posted on Jan 16, 2016 in News, Portraits, Slider | 0 comments

© Lotus Photography

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Vesna Petković im Interview über den Multikulti-Ball, Tracht und Jazz in Belgrad.

Sie ist eine der spannendsten Persönlichkeiten, die in Graz Musik machen: Jetzt hat Vesna Petković die musikalische Leitung des Multikulti-Balls über. „Es wird vielschichtig und bunt“, freut sie sich.

Vesna Petković

Bunt, was heißt das? Musik hat keine Farbe, oder doch?

Auf jeden Fall! Wenn ich meinen Studierenden Gesang erkläre, gehe ich immer von der Malerei, also von Farben aus. Blau ist nicht gleich blau: Es gibt ein großes Spektrum an Farben. Was wir beim Multikulti-Ball erleben, wird ein Regenbogen.

Die Farben des Regenbogens sind international auch das Symbol der schwulen und lesbischen Community.

Solange wir uns alle lieben und mit offenem Herzen miteinander umgehen können, wird alles gut gehen. Also der Ball wird bunt: Wir hören unter anderem Susana Sawoff mit viel jazziger Leidenschaft. Auch der Megaphon Chor wird auftreten Die Grazer Klezmer Band um Vladimir Vesic wird uns durch den Abend begleiten. Beim Sandala Orkestar wird kaum jemand ruhig sitzen bleiben, es wird getanzt werden. Bei Marina & The Kats gibt es swingende Momente. Außerdem kann ich meine Projekte präsentieren: Who Man Dog mit Raphael Meinhart an der Marimba ist balkan-ig und jazzig, mit Einflüssen ghanaischer Musik, von Trip-Hop bis Drum’n’Bass. Auch der multikulturelle Frauenchor Sosamma, den ich leite, tritt auf. Und es gibt noch einige Überraschungen, die ich noch nicht verrate!

Ist der Multikulti-Ball für Sie ein Fixpunkt im Jahr?

Ja, vor allem freue ich mich, bunte Trachten aus aller Welt zu sehen. Das finde ich spannend. Meine zwei Lieblingsbälle sind der Multikulti-Ball und der Tuntenball, denn da sind alle eins, da gibt es keine Unterschiede und das ist für mich sehr wichtig.

Aber Tracht ist für viele verbunden mit nationalen Identität und dem Konzept von Nationalismus. Wie stehen Sie dazu? Würden Sie Tracht tragen?

Ja, aus Spaß. Uniform zu tragen ist für mich nichts Fremdes, da ich in Jugoslawien aufgewachsen bin. In der Volkschule habe ich in den ersten zwei Jahren einen blauen Mantel mit gehäkeltem Kragen getragen. Uniformiert zu sein, muss für mich nicht sein, aber es macht Spaß, Uniformen auszuprobieren. Und speziell am Multikulti-Ball brechen wir Grenzen auf. Man kann dort verschiedene Trachten sehen und wenn alle zusammen sind, gibt es keinen Unterschied mehr. Ich habe sogar schon mal ein Dirndl getragen. Es steht mir gut! (lacht)

Und wann haben Sie Ihre blaue Uniform als Mädchen getragen?

Es war ein blauer Rock mit weißem Hemd, rotem Tuch und dazu bei besonderen Anlässen einer blauen Kappe mit einem roten Stern darauf. In der Grundschule habe ich auf Tito geschworen, dass ich Pionierarbeit leisten würde. Und ich praktiziere das tatsächlich in meinem Leben!

Was machen Sie zurzeit?

Meistens eben Pionierarbeit! Ich mische Balkanmusik mit Jazz und Pop. Im Frauenchor Sosamma waren wir anfangs zu acht, jetzt sind wir 52, eine große Familie. Wir pflegen Multikulturalität. MigrantInnen, gebürtige Steirerinnen und auch Kärntnerinnen sind dabei.

Kärntner Chormusik ist ja berühmt!

Ja, sie ist großartig! In Kärnten wird Chorgesang noch mehr gepflegt. Auch in Südserbien, in Niš, von wo ich komme, wird Chorsingen stark gepflegt.

Jetzt kommen wir zur Pionierarbeit.

In Belgrad an der „Faculty of Music“ gibt es seit drei Jahren eine Jazz-Abteilung und dort bin ich Dozentin für Jazzgesang. Ich pendle, denn ich bin in Graz zuhause. Für mich ist es wichtig, Wände einzureißen, neue Maßstäbe zu setzen und mein Wissen weiterzugeben. Belgrad ist eine tolle Stadt, es gibt eine große Subkultur und im Kunstbereich bewegt sich viel – allerdings ohne viel Geld. Ich spreche jetzt von Jazz.

In Graz kennt man Sie schon lange so umtriebig, als Sängerin und Musikerin. Wie ist es ursprünglich gekommen, dass Sie in Österreich gelandet sind?

Durch die Jazzabteilung an der Kunst-Uni. Ich bin als Studentin nach Graz gekommen und hatte das Glück, alle paar Monate GastprofessorInnen wie Mark Murphy, Sheila Jordan und Michele Hendricks zu haben. 2003 habe ich mein Studium abgeschlossen und danach Pädagogik studiert. Die ganze Zeit hindurch habe ich gesungen. Zum Glück hat jede kleinere Stadt in Österreich Big Bands. Meine Volksmusik und ihre Schönheiten habe ich hier entdeckt! Im Jänner bin ich 20 Jahre in Österreich.

Vesna Petković Geboren in Nis/Serbien, studierte sie Dirigieren an der Universität ihrer Heimatstadt, und ab 1996 Gesang in Graz. Sie ist Frontsängerin beim Sandy Lopicic Orkestar, Shantel’s Bucovina Club Orkestar, Fool Cool Jazz Orkestar, der Franz Schober Big Band und Smart Export.

Multikulti-Ball: am 23. Jänner an der Karl-Franzens-Universität Graz. Der Reinerlös fließt in das Stipendienprogramm des Afro-Asiatischen Instituts.

(Interview: Maria Motter. Mit freundlicher Unterstützung vom Straßenmagazin Megaphon)

 

Redaktion: Natalie Resch
Online-Redaktion: Chia-Tyan Yang

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